Was Brüssel lernen kann von den alten Römern

by André Dietrich on September 18, 2015

Nein, Martin Schulz soll nicht die Toga tragen. Es geht hier um eine …

… antike (!) europäische Gemeinschaftswährung

Der römische Sesterz erschien erstmals im 3. Jahrhundert vor Christus. Er blieb Zahlungsmittel bis 264 nach Christus. Also – OHNE Zentralbank – eine recht erfolgreiche Währung über hunderte Jahre.

Ob der Euro so lange durchhält? Wohl kaum. Denn er hat einen Geburtsfehler:

Werbetexten Verkaufstexten Finanz Börse Wirtschaft WerbungIm Erschaffen e-i-n-e-r Währung für 17 Staaten wurde die Basis unterminiert, die die EU bis dahin zusammenhielt:

Selbstbestimmung.

Und damit sind wir wieder bei Rom. Das Einzigartige an Roms Polit-System war tatsächlich das Prinzip von Eigenständigkeit und Selbstbestimmung.

Die Römische Regierung beschränkte sich in den zuvor besetzten Gebieten nur auf Wesentliches – Verteidigung etwa und Justiz. Während sie den regionalen Behörden die Verwaltung regionaler Angelegenheiten komplett überließ. So auch …

… die Herausgabe eigenen Geldes: Der griechisch und syrisch sprechende Teil des Reiches etwa nutzte eigene Bronze-Münzen, als sinnvolle Ergänzung zu den im Wert höheren römischen Münzen. Diese Finanz-Eigenständigkeit führte zu Geld-Zonen mit „automatischer“ Wert-Regulierung.

Gaius, ein Jurist des 2. Jahrhunderts, schrieb dazu:

„Geld, obwohl es überall die gleiche Kaufkraft hat, ist in einigen Gebieten zu niedrigeren Zinsen zu bekommen, als in anderen Gebieten.“

Sehen Sie das? Gaius hat hier den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn was er beschrieb, ist DER Vorteil des Römischen Währungs-Systems:

Flexibilität durch variable Zinsen im gleichen Wirtschaftsraum

Diesen Vorteil hat die Euro-Zone ohne Not abgegeben. Denn der Euro wurde als starre Währung konzipiert. Dadurch schafft er nicht für Gleichheit, sondern Gleichmacherei. Und nur so konnten Banken und Regierungen in Griechenland, Spanien, Irland sich Euros zu gleichen Bedingungen borgen wie Deutschland, Österreich und die Niederlande. Das aber führte …

… in den heutigen Pleitestaaten u. a. zu Immobilienblasen sowie zu krankhafter öffentlicher und privater Verschuldung. Und zu Korruption.

Außerdem entstanden durch den Zwangsjacken-Effekt des Euro innere Handels-Ungleichgewichte und Wettbewerbs-Verzerrungen.

Das antike Rom lehrt uns nun Folgendes:

  • Geldschöpfung sollte heute deutlich eingeschränkt sein, ähnlich wie vor 2000 Jahren. Das hatte auch einen Zusatz-Vorteil: Antike Gelderzeugung förderte das Sparen. Denn sie war „natürlich“ begrenzt. Weil sie ja abhängig war von der Verfügbarkeit von Gold und Silber.

Die heutigen Geldschöpfung aber steht auf einem verrotteten Fundament:

Schulden werden bezahlt mit neuen Schulden. Staaten und Banken sind hier ein schlechtes Vorbild. Auch für Privatpersonen: Denn gerade die, die es sich nicht leisten könnten, kaufen dadurch jeden Mist, solange sie ihn nur auf Pump kriegen.

Und die nächste Lektion ist …

  • Zurück zu nationalen Währungen. Diese könnten ergänzt werden mit regionalem Geld. Letzteres funktioniert übrigens bestens in der Praxis.

Der Euro könnte dabei – wie vor 2000 Jahren der römische Sestertius – eine übergeordnete Buch-Währung bleiben …

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